Geschichte Hypnose

Die Geschichte der Hypnose

Der Begriff „Hypnose“ leitet sich vom griechischen Namen „Hypnos“ ab, demjenigen Gott in der hellenistischen Mythologie, der die Personifikation des Schlafes darstellt.
Hypnose ist unter anderem Vater des Phantasos sowie des Traumgottes Morpheus, den er mit Hilfe seiner Harfe in einen tranceartigen Zustand spielt.
Trance und Hypnose gemeinsam sind als uraltes Heilverfahren allen Kulturen der Menschheit vertraut.

Die göttlichen Brüder Hypnos und Thanatos – Sumerer und Inder

Keilschriften belegen, dass die hypnotische Suggestion bereits um 4.000 v. Chr. einen festen Bestandteil des Heilens im Reich der Sumerer darstellte.
Ebenso wie die Priesterärzte zwischen Euphrat und Tigris, unterschied man auch in Indien schon vor Jahrtausenden in drei Einteilungen der Hypnose, in einer der ältesten Sanskriturkunden der Inder „Wachschlaf“, „Traumschlaf“ und „Wonneschlaf“ genannt.
In Form der Selbsthypnose sind diese Techniken noch heute wesentlich für zahlreiche fortgeschrittene Yoga-Praktiken.

Tempelschlaf in Ägypten und Griechenland

Die Anfänge der auch heute noch verbreiteten Fixationsmethode finden sich im alten Ägypten. Hier führten die Priester, die gleichzeitig die Ärzte des Volkes waren, den hypnotischen Zustand herbei, indem sie den Patienten glänzende Metallscheiben vor die Augen hielten, um diese zu ermüden. Auch das mit heilenden Suggestionen verbundene Handauflegen ist zu dieser Zeit bereits bekannt. Berühmt sind auch die ägyptischen und griechischen Schlaftempel. In ihnen wurde der Kranke nach eingehender Vorbereitung in einen mehrere Tage andauernden Heilschlaf versetzt.
Der tiefe Eindruck des heiligen Ortes, der Glaube an die heilende Macht der ihnen im Schlaf erscheinenden Götter sowie durch die Priester im Schlaf eingeflüsterte Suggestionen führten zu großen Heilungserfolgen.
Die Anwendung der Hypnose im Ritual des Tempelschlafs lässt sich bis ins 6. Jahrhundert zurückverfolgen.

Hypnose im frühen Christentum

Seit dieser Zeit führten immer mehr christliche Mönche Wunderheilungen durch, für die sie das Handauflegen mit Gebeten sowie der Verwendung von Weihwasser und Reliquien verbanden. Mittels Handauflegen, das schon im alten Testament bei König David vorkommt, heilten Jesus und seine Jünger, häufig verbunden mit Augenfixation (Petrus, Paulus). Ähnlich verfuhren im Mittelalter viele kirchliche Würdenträger und weltliche Fürsten zum Teil in Massenzeremonien. Häufig spielen bei den Vorläufern der Hypnose bestimmte Körperhaltungen (liegend, kniend, Lotussitz u. a.) und zeremonielle Instruktionen eine Rolle. Aktuelle Studien beweisen, dass Heilungsgebete in der Tat als positive Suggestionen einen unterstützenden Einfluss auf die Genesung Kranker haben. So lassen sich die Heilungen jener Zeit (eher als eine gelungene Mischung aus Fremd- und Autosuggestion werten, denn als Wunder.

Hypnose im Mittelalter – Paracelsus

Auch die Selbsthypnose mittels Fixation auf den eigenen Nabel ist bereits im 11. Jahrhundert bei Mitgliedern eines Mönchsordens belegt.Im ausgehenden Mittelalter erkannte unter anderem der Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), besser bekannt als Paracelsus, die heilende Wirkung der positiven Suggestion. Der weit gereiste Mediziner erkannte, dass der beste Arzt der „innere Arzt“ ist und war allein mit dieser Behauptung seiner Zeit damals schon weit voraus. Er beschrieb die von Mönchen praktizierte Fixation auf eine Kristallkugel und den dadurch eintretenden tiefen Schlaf, in dem Heilungssuggestionen einen außergewöhnlichen Erfolg erzielten.
Die Behandlung mit Hypnose empfahl er insbesondere bei Nervenkrankheiten.

Mit Beginn der Neuzeit deklarierte die „heilige“ Inquisition diese Art der Heilkunst als Teufelswerk. So geriet die Hypnose dann auch bald in Vergessenheit, was angesichts der massiven Verfolgungen nicht kirchenkonform Denkender und Handelnder verständlich ist. Seit der Antike bis ins Mittelalter wurde die heilende Wirkung der hypnoseähnlichen Anwendungen im allgemeinen einer übermenschlichen Kraft, zumeist Göttern, zugeschrieben – in der Regel vermittelt durch ein menschliches Medium.

Mesmer und der „Animalische Magnetismus“

Als „Urvater der modernen Hypnose“ wird häufig der deutsche Arzt Franz Anton Mesmer (1734 – 1815) genannt. Mit ihm wird die Hypnose endgültig des mystisch-religiösen Charakters entkleidet, indem Mesmer die exorzistischen Heilungen des Paters Gassner als natürlich erklärt. Damit setzt die zweite Ära der Hypnose ein, in der sie nicht mehr als spirituelle, sondern als natürliche Kraft gedeutet, aber außerhalb des Menschen lokalisiert wird. Mesmer behauptete, eine ungünstige Verteilung des von ihm entdeckten „animalischen“, also „beseelten“ Magnetismus sei Ursache verschiedenster Erkrankungen. Das natürliche Gleichgewicht dieses Magnetismus könne er allein durch Streichbewegungen seiner Hände über den Körper des Patienten wieder herstellen. Weiterhin führt er Gruppensitzungen durch. Bei diesen Kuren saßen seine Patienten um ein mit „magnetisiertem“ Wasser gefülltes Bassin herum, aus dem zahlreiche Eisenstäbe ragten. Der magnetische Strom sollte nun von einem Patienten zum anderen gelangen, indem diese Eisenstäbe in den Händen gehalten wurden.

Mesmer galt bald als eine Art Mode-Arzt und er praktizierte unter anderem am französischen Hof. Prominenz wie die Königin Marie-Antoinette und die Familie Mozart zählte zu seinen Anhängern. Ob Mesmer tatsächlich als „Hypnotiseur“ zu bezeichnen ist, darf trotzdem bezweifelt werden. Zwar trug die aus der großen Erwartungsspannung resultierende Autosuggestion sicherlich zu seinen teilweise spektakulären Heilerfolgen bei,isenjedoch legt er keinerlei Wert auf die Erzeugung eines hypnotischen Schlafs. am Magnet-Bassin Vielmehr nutzt er ein der hynotischen Tiefenentspannung entgegengesetztes psychologisches Phänomen, die so genannte „Heilkrise“ – ein vorübergehender Zustand der Hysterie – für seine Kuren. Mesmers Versuch der wissenschaftlichen Akkreditierung seiner Methode durch die Akademie der Wissenschaften in Paris (1784) misslang.

Die wissenschaftliche Erforschung der Hypnose

Doch obwohl Mesmers Lehre offiziell verboten wurde, setzte eine Vielzahl seiner Anhänger seine Behandlungsmethoden im Stillen fort. In den darauf folgenden Jahrzehnten wurden daher durch wissenschaftliche Beobachtungen die wesentlichsten Phänomene der Hypnose entdeckt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wird in der dritten Hypnose-Ära die Annahme einer Kraft fallen gelassen, die außerhalb des Patienten zu suchen sei.

James Braid – Hypnose-Pionier

Quasi versehentlich entdeckte der englische Augenarzt James Braid 1841 das Wirkungsprinzip der Fixation zur Einleitung der Trance. Mit dem eigentlichen Ziel, einen Schweizer Magnetiseur als Scharlatan zu entlarven, beschäftigte sich Braid umfassend mit den gezeigten Phänomenen. Da ihm bekannt war, dass die anhaltende Fixation eines glänzenden Objekts Müdigkeit hervorruft, hielt er seinen Versuchspersonen einen glänzenden Gegenstand ca. 20 cm vor die Augen. Zu seiner eigenen Überraschung fielen die Probanden ohne weitere verbale Beeinflussung nach einiger Zeit in Trance. Diesen künstlich hervorgerufenen Schlaf nannte er „Hypnose“.

Wie andere Mediziner, die auf diesem Gebiet forschten, erntete Braid mit seiner Veröffentlichung „Neurohypnology or the rational nervous sleep considered in relation with animal magnetism“ überwiegend Spott. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann die wissenschaftliche Anwendung der Hypnose mit der Schaffung der „Schule von Nancy“ durch Bernheim und Liébault.

Emile Coué – Autosuggestion

Die Lehre der Autosuggestion wurde von Emile Coué (1857 – 1926) entwickelt. Als Schüler der Schule von Nancy, der auch Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, angehörte, kam er stark mit der Erforschung der Hypnose in Berührung. Er gelangte zu der Ansicht, dass Fremdhypnose als solche nicht existiere und eigentlich eine von außen hervorgerufene Selbsthypnose darstelle. Coué lehrte, dass nicht der Wille der Antrieb unseres Handelns sei, sondern die Kraft der Vorstellung. – Als Folgerung dieser Überlegung erklärte er seinen Patienten die Möglichkeit der Selbstheilung durch die Kraft ihrer Vorstellung. Er prägte den Satz „Mir geht es von Tag zu Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser“ und veranlasste seine Patienten, sich diesen Satz täglich, morgens und abends, je zwanzigmal vorzusagen.

Aus der sich weiterentwickelnden Lehre der Hypnose und Autosuggestion entstand in unserer Zeit durch I.H. Schultz das so genannte autogene Training („autogen“ = selbsterzeugend). Ziel dieses Trainings ist es, Ruhe und völlige Entspannung durch eigene Konzentration hervorzurufen. Seit etwa 1950 gewinnt die Hypnose zunehmend an klinischer Bedeutung, indem sie bei Verhaltensproblemen, Neurosen und psychosomatischen Erkrankungen und in der Medizin erfolgreich angewendet wird.